Know-how in Norddinker

Matthias & Stefanie Kottmann

Matthias Kottmann und Manfred Hellmich kannten sich gerade erst einige Stunden, als ein Handschlag die Sache besiegelte: Der Traditionsbetrieb Hellmich, 1840 als Schmiede in Norddinker gegründet, sollte von Kottmann weitergeführt werden. „Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, ob meine Bank da mitspielt“, erinnert sich Kottmann. „Aber irgendwie würde es schon klappen, dachte ich mir, alles andere passte so gut.“ Die Bank spielte mit, und die Umsätze des Nachfolgers schnellten innerhalb von zwei Jahren vom mittleren fünfstelligen Bereich auf über eine Million Euro.

Metallverarbeitung Kottmann (MVK) ist ein Beispiel für die Chancen, die eine externe Nachfolge bietet – für alle Seiten. Auf der einen Seite war hier eine Traditionsbetrieb im ländlichen Bereich von Hamm. 1840 als Hufschmiede gegründet hatte der Betrieb zum Schluss vor allem Industriekunden bedient und als Zentrallager für den Landmaschinenhersteller Krone fungiert. Aus Altersgründen hatte Hellmich das Zentrallager bereits aufgegeben. Ein Nachfolger aus dem Betrieb sprang ab, ein anderer war nicht in Sicht.

Auf der anderen Seite stand das Ehepaar Stefanie und Matthias Kottmann, beide Industriemechaniker. Matthias Kottmann war als Produktionsleiter bei BBA sehr zufrieden, doch als seine Frau 2011 arbeitslos wurde, entschlossen sich die beiden zur Selbstständigkeit. Sie wohnten damals in Dinker und richteten in Flerke eine Scheune als Werkstatt ein. Die Sache lief gut, und so hielten sie Ausschau nach einer Erweiterungsmöglichkeit. Ihr Steuerberater kam auf der Jagd mit einem Altgesellen von Hellmich ins Gespräch und stielte den Kontakt ein. Wenig später wurde aus der Manfred Hellmich GmbH die Metallverarbeitung Kottmann GmbH.

Am Stichtag räumte Hellmich sein Büro. „Davor habe ich den Hut gezogen“, sagt Matthias Kottmann. „Er stand uns mit Rat und Tat zur Seite, mischte sich aber nicht ein. Vor Kurzem zog er auch aus seiner Wohnung über der Werkstatt aus. Das ist für euch mit den Kindern doch viel praktischer, hat er gesagt.“ Fast alle Mitarbeiter wurden übernommen. „Um ihre Arbeitsweise kennenzulernen, bin ich am Anfang erst einmal wie ein Praktikant mit rausgefahren“, erzählt Kottmann.

Nach und nach wurde das Team auf 16 Mitarbeiter aufgestockt, darunter auch Auszubildende. Stefanie Kottmann legte vor zwei Jahren die Meisterprüfung ab. Die meisten Mitarbeiter kommen, wie auch Kottmann selbst, aus der Land- und Forstwirtschaft. „Da wird man mit der Arbeit groß“, sagt er. „Meine Mitarbeiter denken mit und fällen auch die nötigen Entscheidungen. Ich kann mich auf sie verlassen.“

Kottmann legt viel Wert auf Fortbildungen und Zertifizierungen. Knapp die Hälfte der Umsätze regenerieren sich aus Instandhaltungsarbeiten, von Kraftwerken oder Chemieanlagen zum Beispiel. Dafür setzte er auch schon einmal einen Helikopter ein. Ein gutes Viertel wird im Anlagen- und Maschinenbau erzielt. So entwickelte Kottmann ein teleskopierbares Maisschiebeschild und ein lasergesteuertes Planierschild. Der Rest sind vor allem UVV-Prüfungen und Aufträge im Hallenbau.